Ronde Island – Limekiln Bay, Tyrell Bay, Paradise Beach, Hillsborough, Sandy Island, Tyrell Bay
Distanz: 21,4 sm – Gesamtdistanz 2025: 3.281,9 sm
Vor uns liegt nun Carriacou. Vor 8 Monaten, am 01.07.2024, traf Beryl als frühester Kategorie 4 Hurricane seit Beginn der Aufzeichnung auf Carriacou auf Land. Im Internet findet man dazu viele Videos. Die Gewalt eines solchen Sturms lässt sich nicht in Worte fassen. Carriacou wurde vollkommen verwüstet. Doch die Insel lebt davon, dass Gäste kommen, allein schon deswegen wollen wir Carriacou nicht auslassen, denn die Menschen dort brauchen Normalität und auch die Einnahmen von ihren Gästen.
Doch eins darf bei all den Berichten über Carriacou nicht vergessen werden. Auch wenn Carriacou aufgrund dessen, dass Beryl genau dort das erste Mal auf Land traf, fast immer in einem Atemzug mit dem Hurricane genannt wird, hat es die südlichen Grenadinen, speziell Union Island, Mayreau und Canouan und auch all die kleinen, vorgelagerten Inseln ebenso hart und heftig getroffen. Auch diese Inseln wurden nahezu vollständig verwüstet. Die zerstörerische Kraft eines solchen Hurricanes ist schlicht unvorstellbar und wir haben wirklich keine Vorstellung, was uns erwartet.
Ronde Island ist unbewohnt und auch wenn Beryl hier »nur« den Wald und die Strände zerstört hat, war auch Ronde Island ebenso betroffen wie Carriacou. All diese Inseln liegen nur wenige Seemeilen auseinander und sie alle hat der Kern Beryls mit Windgeschwindigkeiten bis zu 230 km/h getroffen. Wir haben uns einige der Videos angesehen und es gibt auch einige Augenzeugenvideos von Seglern, die versucht haben, in dem angeblichen Hurricane Hole im nördlichen Teil der Tyrell Bay den Hurricane zu überleben. Doch an dieser Stellen wollen wir nur ein Video teilen, das das erschreckende Ausmaß der Zerstörung hinterher zeigt.
Nach Beryl
Die Uferstraße an der Tyrell Bay sind auch wir entlanggegangen und natürlich haben auch wir Photos gemacht. Das Video hilft dabei unsere Photos und das kleine Wunder des Wiederaufbaus richtig einzustufen.
Die Fallböen vor Ronde Island beuteln uns noch die ganze Nacht. Eigentlich hatten wir gedacht, dass sie in der Nacht abnehmen, aber auch das ist wieder mal eine Theorie, die als Theorie dann doch den nächsten Morgen erlebt. Grundsätzlich sind solche Fallböen ja nicht gefährlich, aber sie nerven, weil man ja doch immer in die Nacht hineinhorcht. Denn nach einem röhrenden Rauschen und dem Fauchen beim Einschlag kommt ohne Zweifel schon bald die nächste Bö. Und mit derselben Gewissheit folgt ein Schleudergang auf den nächsten. Nicht im Minutentakt, aber es reicht, um doch nicht richtig zu schlafen. Die Tampen der Ankerkralle ächzen unter der Last und die Persenning des Groß schlägt alarmierend im Wind. Und manchmal hört es sich so an, als ob jemand mit der flachen Hand gegen den Bug schlägt. Da wir diese Spielchen kennen, Porto Santo und die Punta de Anteguera im Norden von Teneriffa haben da schon echte Maßstäbe gesetzt, haben wir bei 6 m Wassertiefe 50 m Kette gesteckt. Das sind 100 kg Kette, die auch eine Fallbö nicht so schnell hebt. Ein guter Puffer.
Carriacou, Limekiln Bay
Doch zunächst segeln wir nicht gleich bis in die Tyrell Bay, sondern ankern noch eine Nacht in der Limekiln Bay kurz vor der Tyrell Bay. Wir probieren gerne mal die ein oder andere Ankerbucht abseits des Mainstreams aus. Das heißt nicht immer, dass diese Ankerbuchten ungeschützt und schwierig sind, dass heißt aber schon, dass es dort in der Regel keine Bars oder Restaurants gibt.
Morgens machen wir uns schnell fertig, immerhin haben wir diesmal auf die Gezeitenströme geschaut. Als wir das Groß setzen, ruft die Capitana: “Ich kann nichts dafür 🤷♀️! Das ist der 💩-Wind!” Eben haben wir noch gut im Wind gelegen, nun kommt er von hinten. Es braucht Geduld, um das Groß in diesem Hin und Her zu setzen. Erst mit etwas Abstand zu Ronde Island bekommen wir wieder die üblichen 20 kn aus Ost. Das erste Reff haben wir gleich im Groß gelassen, und als ich 14 Tage später diese Zeilen schreibe, ist es immer noch drin.
Nach 1 1/2 Stunden fällt unser Anker schon wieder in der Limekiln Bay auf Carriacou. Dieser stramme Segeltag mit 10 sm 😂 wird das Maximum in den nächsten 8 Tagen bleiben, obwohl wir uns volle 5 Fahrttage anrechnen können 👍! In der Limekiln Bay liegen wir erstaunlich ruhig, aber nur knapp außerhalb des Stroms, der hier munter mit 3 kn ums Eck zieht und alle 6 Stunden seine Richtung wechselt. Doch leider kommt man in der Limekiln Bay nicht an Land. Im Nordteil blockiert ein Wrack im Endstadium seiner Verrostung alles und ansonsten ist die Bucht eher felsig. Wir wissen nicht, wie lange der Frachter dort schon vor sich hin rostet, aber die Vergänglichkeit von vermeintlich Dauerhaften ist schon bezeichnend.
Carriacou, Tyrell Bay
Über die Nacht wird es in der Limekiln Bay dann doch unruhig. Irgendetwas hat sich so verändert, dass der Schwell nun in die Bucht läuft. Gerne hätten wir noch einen kleinen Landgang unternommen und in der kleinen Bucht, die etwa 500 m südlich liegt, haben wir einen Sandstrand gesehen, als wir hier ankamen. Der würde sich vielleicht zum Anlanden eignen, aber hinter uns strömt es heftig. Zu heftig, um es mit unseren 2,3 PS darauf ankommen zu lassen. Also verlegen wir uns in die Tyrell Bay und beschließen, unseren Landgang von der Tyrell Bay aus zu machen.
Es ist nur ein Katzensprung um die Ecke. Die Tyrell Bay ist gut belegt, aber fast die Hälfte aller Boote zeigt noch deutliche Spuren von Beryl. Viele sind ohne Masten, immer noch flattern zerfetzte Segel im Wind und einigen Booten sieht man an, dass sie einige Zeit wenigstens teilweise unter Wasser gelegen haben. Ansonsten sind die Schäden vielfältig, kaum etwas an Deck sieht noch so aus, wie es vor Beryl einmal ausgesehen hat. Und dabei sind verbogene Relingstützen, Bugkörbe, Geräteträger und tiefe Schmarren in den Rümpfen noch die harmlosesten Varianten. Doch es gibt auch ebenso viel Gäste hier.
Nachdem wir sicher sind, dass unser Anker hält, fahren wir mit unserem Gummiboot zum Dinghy Dock der Carriacou Marine Shipyard. Es ist schwül und heiß und besonders im Lee der Berge ist es schon fast unerträglich. Glücklicherweise müssen wir hier nicht arbeiten, aber in der Werft wird an fast allen Schiff gearbeitet. Viele Eigner sind dabei, Schäden zu beseitigen, einige scheinen aber auch extra hierher gekommen zu sein, um Routinearbeiten an ihren Yachten zu erledigen. Die Zerstörungen und Schäden durch Beryl sind unübersehbar, aber vieles funktioniert schon wieder. Und wenn man gesehen hat, wie die Yachten hier in der Werft kreuz und quer übereinander gelegen haben, scheint fast schon wieder Normalität eingekehrt zu sein.
Als erstes schlendern wir die Uferstraße an der Tyrell Bay entlang und gehen bis auf Höhe der zweiten Marina auf Carriacou, der Tyrell Bay Marina. Die Verwüstungen durch Beryl sind allgegenwärtig, doch das, was hier schon geschafft wurde, grenzt an ein kleines Wunder.

„Auf der Uferstraße ist vieles schon wieder fast »normal«. Den Kontrast sieht man, wenn man sich das Video angesehen hat.“
Um unseren Spaziergang, den wir eigentlich von der Limekiln Bay aus machen wollten, nachzuholen, laufen wir auf dem Rückweg einfach weiter geradeaus bis zur Manchineel Bay auf der Südostseite von Carriacou.
Nicht nur an dieser Stelle war Carriacou mal eine grüne Insel, auf den Satellitenbildern sieht man die Unterschiede.
Auf dem Rückweg bleiben wir in der Bar Las Iguanas an der Werft hängen. Im Nachhinein, und speziell auch nachdem wir die südlichen Grenadinen besucht haben und ich gerade diese Zeilen vor Canouan schreibe, erscheint uns die Entschlossenheit und Zielstrebigkeit, mit der die Menschen auf Carriacou nach Beryl neu begonnen haben, um so unglaublicher.
Es ist warm. Sehr warm sogar und vor allem schwül. Obwohl es auf der PINCOYA vor Anker und im Wind noch ganz gut auszuhalten ist, müssen wir uns irgendetwas für die Nacht überlegen. Natürlich hat es auch den Budget Marine Shop neben der Tyrell Bay Marina schlicht weggeblasen, dennoch soll der Shop wieder laufen und vor allen auch einige Lüfter am Lager haben. Den Kauf von einigen Ventilatoren haben wir eh schon auf unserer Liste, aber nun muss wenigstens ein erster her, um in der Nacht etwas Abkühlung zu haben. Selbst bei geöffneter Luke steht die Wärme in der Bugkoje, was jede Nacht wenigstens 2 bis 3 T-Shirts kostet. Manchmal ist es auch so warm, das ich mich für eine Stunde im Cockpit in den Wind setze, um meine Kerntemperatur wieder auf 37,5° zu bekommen.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Dinghy direkt in die Tyrell Bay Marina bzw. zu dem, was davon noch übrig geblieben ist, und kaufen bei Budget Marine einen Ventilator. Das ist nicht gerade ein Schnäppchen, auch wenn wir ihn duty-free bekommen, weil wir eine »yacht in transit« sind.

„Auf dem Weg zum Paradise Beach, via Budget Marine. Unten links war mal die Marina, einige Schwimmstege liegen nun längsseits an dem, was einmal ein Mangrovenwald war.“
Danach geht’s auf die Nordseite von Carriacou zum Paradise Beach. Dieser Strand hat seinen Namen wirklich mehr als verdient.
Wir schlendern den Paradise Beach einmal auf und ab, machen aber bei der berühmten Paradise Beach Bar nur einige Photos und kehren dann in Tomo’s Bar auf ein Bier ein. Was für ein Unterschied! Die Paradise Beach Bar wurde mit einigem Geld total renoviert und wieder aufgebaut und Tomo hat seine Bar erst einmal aus den verfügbaren Resten wieder zusammengeschraubt und wieder an den Start gebracht.
Natürlich sind wir hier die einzigen Bleichgesichter und werden absolut herzlich begrüßt. Authentischer kann Carriacou kaum sein. Die Einwohner von Carriacou sollen die freundlichsten in der ganzen Karibik sein. Wir sind uns ziemlich sicher, dass das stimmt. Und so nehmen wir gleich noch ein zweites Bier, denn der Rückweg ist lang, heiß und staubig. 😂
Abends montieren wir den Ventilator in der Bugkoje. Was für ein Segen, da hat sich jeder einzelne Dollar gelohnt. Obwohl der Ventilator ja nur die Luft durchquirlt, wirkt sein Luftstrom mittig über uns und unter der geöffneten Luke entlang fast wie eine kleine Klimaanlage. Die Lautstärke und die Vibrationen halten sich in Grenzen, vielleicht finden wir noch einen leiseren, wir brauchen ja sowieso wenigstens noch zwei weitere. Seit dieser Nacht läuft der Ventilator jede Nacht durch.
Limekiln Bay, Carriacou
12° 26′ 33,5” N, 061° 29′ 53,0” W
Tyrell Bay, Carriacou
12° 27′ 22,9” N, 061° 29′ 18,3” W
Paradise Beach, Carriacou
12° 28′ 28,4” N, 061° 29′ 09,3” W
Hillsborough, Carriacou
12° 29′ 09,1” N, 061° 27′ 36,1” W
Sandy Island
12° 28′ 58,7” N, 061° 29′ 02,0” W