Admiralty Bay, Bequia -> Charlestown Bay, Canouan -> via Tobago Cays -> Saline Bay, Mayreau, Grenadines -> Admiralty Bay, Bequia
Distanz: 57,7 sm – Gesamtdistanz 2025: 3.378,8 sm
Da wir Canouan, Mayreau und die Tobago Cays ausgelassen haben, ist es nun an der Zeit, eine kleine Rückrunde zu drehen. Es gibt noch viele weitere Inseln in den Grenadinen, aber nicht überall kann man einfach mal so ankern und das nicht nur, weil es ankertechnisch etwas ungünstig ist. Die Insel Mystique z.B. ist komplett in Privatbesitz und wird von der Mystique Company verwaltet. Die Insel ist ohne Frage eine Perle der Grenadinen, gibt aber auch ein anschauliches Beispiel, wie es auf den Grenadinen läuft. Ganze Inseln oder auch große Teile von ihnen sind in Privatbesitz und die eigentlich Einheimischen haben nur noch Zutritt als Personal. Man kann sich zwar vor Mystique eine Mooring nehmen und darf dann auch mal vorsichtig daran schnuppern, wie wirklich Reiche ihren Alltag verbringen, aber uneingeschränkt ist die Freude dort dann auch nicht. Als erstes wird die Freude natürlich durch den Preis der Mooring getrübt und dann gibt es strenge Regel, was man überhaupt machen darf und wohin Besucher gehen dürfen, denn die neuen Einheimischen mögen nicht gestört werden.
Doch das große Geld fährt und liegt auch anderswo auf den Grenadinen herum. Mr. Bezos & Co liegen mit ihren Superyachten gerne vor Canouan, wenn es auf den Caymans zu langweilig geworden ist. In die Luxusmarina von Canouan passen sie leider nicht rein, weil man die dummerweise nur für Yachten bis 100m geplant hat. Wir allerdings könnten, wenn wir denn wollten, aber die 80€ pro Nacht für 11,5 m verkneifen wir uns dann doch mal, auch weil wir gar nicht so genau wissen, ob unsere Festmacher für die großen Boxen überhaupt lang genug sind. Abgesehen davon würde es ja auch albern aussehen, wenn wir neben Dinghys liegen, die einige Meter länger sind als die PINCOYA. Einer der wenigen richtig Reichen, den man hier aktuell nicht sieht, ist Mr. Musk, denn der ist ja gerade in Washington mit einem Sparprogramm beschäftigt und hat gar keine Zeit für so ein albernes Zeug wie Freizeit.
Canouan
Es ist ein toller Segeltag nach Canouan, den wir vom ersten bis zum letzten Meter voll genießen. Als wir in die Charlestown Bay einlaufen, kommt natürlich als erstes der Mooring Service, doch es ist kein Problem, dass wir frei ankern wollen. Um nicht alle Angebote abzulehnen, bestellen wir zwei Fische für’s Abendbrot. Die beiden Red Snapper, die wir später bekommen, sind zwar etwas mickrig für den Preis, aber das verbuchen wir mal unter Support im allgemeinen Sinne. Denn auch Canouan wurde von Beryl richtig hart getroffen und die Menschen aus Charlestown können jede Unterstützung gebrauchen.
Die Charlestown Bay ist wirklich schön, auch wenn etwas Schwell um die Ecke kommt und uns einige Fallböen immer wieder herumschubsen. Es ist ein guter Platz, an dem man auch mal etwas länger bleiben kann. Die schönen Strandbereiche sind zwar auch hier fest in der Hand von Luxusresorts, aber wenn man davor liegt, ist es dennoch schön.
Doch als wir am zweiten Tag einen Landausflug nach Charlestown machen und eigentlich etwas über die Insel laufen wollen, sehen wir, wie krass die Gegensätze sind. Auf der einen Seite der pure Luxus und auf der anderen Seite ist alles noch vollkommen zerstört von Beryl.
Gerne wären wir in irgendeine Strandbar gegangen und hätten dort sicher auch etwas zu Essen bestellt. Aber es gibt nichts. Absolut nichts, selbst der frühere Supermarkt ist noch ein Provisorium. Früher gab es hier einmal Bars und Restaurants, das sieht man. Vieles scheint nach Beryl aber auch komplett abgerissen worden zu sein, doch Neues ist noch nicht entstanden. Selbst altes konnte bisher nur notdürftig geflickt werden, weil es wohl an jeglichem Baumaterial fehlt. Vielleicht fehlt es aber auch an noch mehr, denn eigentlich könnte man ja auf der provisorischen Terrasse der Coconut-Bar wenigstens etwas Bier verkaufen. Ein Kühlschrank mit Bier und etwas Rum mit Fruchtsaft und Eiswürfeln gehen immer, dazu eine kleine Schlüssel mit Erdnüssen. Aber nichts, nur auf der Pier steht jemand, der einige Dollar fürs Aufpassen auf die Dinghies haben will. Aber wozu soll man sein Dinghy hier anbinden? Täglich kommen wenigstens fünf neue Yachten, aber alle hauen auch gleich am nächsten Morgen wieder ab. Es ist schade, wobei man in der Charlestown Bay eigentlich für einige Tage sehr gut liegen kann. Ein Trauerspiel und irgendwie wohl auch ein Teufelskreis.
Gleich im Süden, neben dem kleinen Flughafen, schließt direkt an Charlestown die Luxusmarina für die 100m Yachten an. Dort ist alles schon wieder 1A und neue schmucke Ferienapartments sind auch schon zusätzlich im Bau. Dort drängen sich Kräne und Baumaschinen, während in Charlestown jeder Backstein, jeder Mörtel und jeder Sack Zement fehlt. Und das alles, während Sergey Brin am Heck seiner 134m Yacht den aufblasbaren Beach ausfahren lässt, während seitlich der Wellness-Bereich mit den Liegen und der Bar ausklappt wird. Es ist schon krass und man braucht nicht wirklich viel Phantasie, um auf die Idee zu kommen, dass so etwas für Frust sorgt, der sicherlich auch bereit ist, Regeln zu brechen.
Zufällig bietet sich am nächsten Morgen ein phantastisches Photomotiv mit Sergey Brins Dragonfly. Spontan haben wir die Idee, dass uns etwas Teilhabe auch gut tun könnte, und so bieten wir Mr. Brin die Originale der Photos per eMail an. Doch nun ja, aus unserer Teilhabe ist bis heute leider nichts geworden, obwohl die Photos wirklich maximal geil geworden sind.
So müssen wir auf Martinique unseren neuen Herd doch aus eigener Tasche bezahlen 😢. Irgendwie schade, aber anders hätte es uns doch auch zu sehr überrascht.
Tobago Cays und Mayreau
Nach drei Tagen in der Charlestown Bay geht es weiter in Richtung Mayreau. Natürlich überlegen wir, ob es Sinn macht, wenigstens eine Nacht auf den Tobago Cays zu ankern. Doch das schlägt gleich mal mit 30 € zu Buche, auch wenn wir nur unseren eigenen Anker in den Sand stecken. Die Tobago Cays sind das Schmuckstück der Grenadinen, dass auch wir uns nicht entgehen lassen wollen. So segeln und motoren wir einen Schlenker durch die Tobago Cays und lassen unseren Anker danach »for free« in der Saline Bay auf Mayreau fallen. Alles in allem eine gute Entscheidung, denn auf den Tobago Cays ist es proppenvoll. Nichtsdestotrotz ist die Durchfahrt ein wunderbares Erlebnis.
Die Saline Bay gefällt uns noch besser als die Charlestown Bay auf Canouan.
Etwas pervers ist am ersten Tag allerdings ein kleiner Kreuzfahrer, der für seine Gäste am Strand der Bucht alles für eine heile Karibikwelt aufbaut. Von einer Wasserburg, über Paddelboote bis hin zu einer kompletten Strandbar wird alles von dem Kreuzfahrer herübergeschafft. Als einzig Originales von der Insel dient der Unterstand der Beach Bar, der sonst verwaist herumsteht, und eine Calypso Band, die bis 17:00 ununterbrochen spielt, während die Gäste am Strand ihre Cocktails schlürfen, die von der Barmannschaft des Kreuzfahrers gemixt werden, oder mit einigen Animateuren planschen. Doch dann ist der Rummel plötzlich vorbei, die Gäste werden eingesammelt und zurückgefahren. Danach baut die Crew am Strand die heile Karibikwelt wieder ab, denn auf dem Kreuzfahrer wird zeitig gegessen. Das alles erinnert schon etwas an das »fahrende Geschäft eines Rummels«, nur dass der Rummel hier auch noch gleich seine Gäste mitbringt. Zum Sonnenuntergang geht’s weiter, wahrscheinlich zum nächsten Strand, um mal echte Karibik zu erleben. Danach haben die wenigen Segler in der Bucht den Strand wieder pur und ohne alles für sich ganz allein.
Der Mangel an allem ist auch auf Mayreau allgegenwärtig, doch irgendwie scheint man hier schon etwas weiter zu sein. Wenigstens einige wenige Bars oder Restaurants haben wieder geöffnet, alles ist zwar provisorisch, aber es geht schon wieder was. Der Supermarkt funktioniert mit einem kleinen Angebot und bietet an, das kühle Bier an den Tischen der noch geschlossenen Bar von nebenan zu trinken. So kleine Dinge schaffen eine Atmosphäre, von der man ein Teil sein kann, wenn man denn will. Man trifft sich hier vor dem Supermarkt.
Hier treffen wir auch zwei Volunteers aus Britain. Ein junges Paar, die hierher gekommen sind, um sich für einige Wochen um die Tiere auf der Insel zu kümmern. Hunde und Ziegen 😳, nicht gerade ein Job für uns 😂, aber die beiden machen es gerne und sind nun gerade dabei, auf die nächste Insel weiterzuziehen und danach soll ihre Mission in Südamerika weitergehen. Es gibt wohl irgendeine Organisation, die solche ehrenamtlichen Jobs vermittelt, alles verstehen wir nicht, das Englisch der beiden ist streckenweise schon etwas speziell. Aber um ehrlich zu sein, Hunde und Ziegen wären ja nun auch wirklich nicht unsere erste Wahl, wenn uns mal zu langweilig wird.
Am nächsten Tag laufen wir noch einmal über die Insel, was nicht besonders schwierig ist, denn Mayreau ist überschaubar und selbst wir wandern mal munter von einem Ende zum anderen. Auf dem höchsten Berg von Mayreau steht bzw. stand mal eine Kirche. Auch sie fiel Beryl zum Opfer.
Von dort oben hat man einen sagenhaften Ausblick über die Tobago Cays. Die Trümmer der Kirche lassen erahnen, mit welcher Wucht Beryl hier gewütet haben muss. Wir stecken einige US Dollar in die Kollekte, die nun unter freiem Himmel steht.
Danach gehen wir zur Ostseite in die Strandbar »The Ranch Escapade«. An der Hauptstraße steht ein Schild, dass die Bar geöffnet sein soll. Es gibt eigentlich nur diese Straße und wenn es nur eine gibt, dann muss dies eben auch die Hauptstraße sein.
Die Bar liegt sehr idyllisch an der Windward Bay, in der man auch gut ankern können soll, weil sie von vielen Riffen und weiter im Osten eben von den Tobago Cays geschützt wird. Obwohl es auch diese Bar komplett weggeblasen hat, stehen schon wieder einige Wände mit Dach und auch die Küche funktioniert schon wieder. Fish and Chips sind absolut lecker, obwohl auch hier ein Teil des Preises für unseren Lunch doch wohl eher auf das Konto Support verbucht werden muss. Aber das macht nichts, irgendwie muss es ja auch wieder losgehen. Und bei den wenigen Kunden ist kein Spielraum für Rabatte.
In der Strandbar treffen wir auf eine Gruppe von US-amerikanischen Volunteers. Sie sind freiwillig gekommen, um für einige Wochen zu helfen. Die aktuellen Nachrichten aus den USA überdecken diese US-amerikanische Seite der Hilfsbereitschaft zu schnell, es ist gut, auch dieses Amerika nicht aus den Augen zu verlieren. Die vier haben gehört, dass man nach Beryl hier Hilfe gebrauchen kann, haben bei einer Volunteer Agency angeheuert und sind gekommen, um mit anzupacken.
Zurück nach Bequia
Am Freitag brechen wir früh auf und sausen mit einem schönen Ostwind ganz wunderbar zurück nach Bequia. Segeln vom Feinsten! Customs und Immigration haben bis 16:00 geöffnet. Wir kommen mehr als rechtzeitig an, springen nach einer halben »Hält-der-Anker-auch-wirklich-Gedächtnisstunde« ins Gummiboot und … stehen vor verschlossenen Türen. Hä? 🤔 Was jetzt? Es ist 14:30!
Wenn an dem Schnack der »self fulfilling prophecy« jemals etwas dran war, dann heute. Die Capitana hätte auf halber Strecke ihren Witz vielleicht doch weglassen sollen. 🥳 »Und nun stellt Dir mal vor, heute ist Feiertag!« 🥳 Tööörrrööö! 🎺🥁 Und was ist? Heute am 14. März ist der »National Heroes Day«. Und wir sind auch solche Helden! Es gibt nicht viele Feiertage auf den Grenadinen, an denen alles geschlossen hat, aber wir treffen genau einen. 👍😂. Zu verdanken haben wir das Joseph Chatoyer, den Chef der Caraibes, der einen Aufstand gegen die Briten anführte und am 14.03.1795 getötet wurde. Man hätte es vorher herausfinden können, auch wenn es diesen Feiertag noch nicht seit 230 Jahren gibt. Doch geholfen hätte es uns wahrscheinlich auch nicht.
Also bleibt uns nur, einen neuen Versuch am Samstag zu wagen, um auszuchecken. Der nette Kerl vom Kiosk nebenan bestätigt uns, dass Customs und Immigration eigentlich immer arbeiten, zur Not auch am Wochenende für Extra Money, nur eben nicht heute, aber ganz bestimmt wieder morgen.
So setzen wir unsere restlichen ECs in lokales Bier um und warten auf morgen.
Charlestown, Canuan, Grenadines
12° 42′ 34,6” N, 061° 19′ 41,4” W
Saline Bay, Mayreau, Grenadines
12° 38′ 01,0” N, 061° 23′ 56,1” W
Admiralty Bay, Bequia, Grenadines
13° 00′ 14,6” N, 061° 14′ 40,8” W